Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V.

 

 

 

 

 

 

              Biologische Stechmückenbekämpfung am Oberrhein

 
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» Biologie » Arten » Wiesen- und Auwaldmücken
Aktualisiert: 23.04.2016   

Wiesen- und Auwaldmücken (Rheinschnaken)

Man unterscheidet bei den Aedes-Mücken zwischen den Arten, die ihre Brutstätten in temporären Gewässern der Auen von Flüssen und Bächen finden und dort zumeist nach Hochwässern in den Sommermonaten auftreten ("Wiesen- bzw. Auwaldmücken").

Sie zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Massenvermehrung, einen starken Wandertrieb (mehrere Kilometer pro Tag) sowie eine ausgeprägte Stechlust aus, weshalb sie am Oberrhein mit Abstand die größten Plageerreger sind. Die Weibchen legen ihre Eier (oft mehrere hundert) ca. fünf Tage nach einer Blutmahlzeit einzeln in den feuchten Boden ab. Ihre Eiablagegebiete befinden sich im AuwaldÜberschwemmungsbereich größerer Flüsse und Seen an Stellen, die nach einem Hochwasser bei fallendem Wasserstand nur langsam trocken fallen. Es sind im allgemeinen tiefliegende Wiesen, Schilfgebiete, sowie flache Senken im Bereich der Weichholzaue.

Die Rheinschnaken und insbesondere Aedes vexans sind deshalb sehr erfolgreich, weil sie sich sowohl als Larven als auch als Fluginsekten dem Zugriff vieler Fressfeinde entziehen. Die Entwicklungsstadien der Überschwemmungsmücken treten nämlich in Lebens-räumen auf, die im Grunde lebensfeindlich sind und daher von vielen anderen Organismen nicht besiedelt werden bzw. werden können.

 

Die Weibchen von Aedes vexans besitzen die erstaunliche Fähigkeit, exakt die Zonen im Au-enwald für ihre Eiablage zu finden, die in der Regel nur ein bis zwei Wochen nach einer Über-flutung Wasser führen. Diese Zeitspanne reicht den Larven, um die Entwicklung bis zum Fluginsekt abzuschließen. Entsprechende Brutgebiete befinden sich vorwiegend im Bereich des oberen Mittelwassers des Rheines und liegen im Wesentlichen in der Schilf- und Weichholzauenzone, wo Silberweiden dominieren. Bezogen auf den Pegel bei Speyer ist dies ein Wasserstand von etwa vier Metern.

Die Weibchen orientieren sich bei der Eiablage zum einen am Feuchtigkeitsgrad des Bodens, zum anderen können sie offensichtlich auch die Qualität des Bodens registrieren. Dazu besitzen sie an ihren Tarsen Sinneshärchen, mit denen sie z.B. zwischen "Ackerboden", der für die Eiablage ungünstig ist und häufig einen hohen Humusanteil besitzt und dem meist tonigen Schlickboden im Überschwemmungsgebiet als Eiablagegebiet unterscheiden. Es wird auch vermutet, dass die Weibchen Pflanzenassoziationen als Indikatoren für einen bestimmten Überflutungsgrad erkennen sowie die Geruchsstoffe der Eier ihrer eigenen Art riechen können. Dort, wo bereits massenhaft Aedes-Eier einer Art liegen, ist das Risiko für das Weibchen geringer, einen falschen Ort mit Eier zu belegen.

Mit der Wahl der richtigen Eiablagehöhe im Auwald vermeiden sie die Gefahr eines frühen Trockenfallsens vor Abschluss der Larvalentwicklung (bei hohen Ablagestellen) bzw. der Gefahr, dass Fische die Larvenbrut fressen, da diese unterhalb der Mittelwasserzone in Senken mit langanhaltender Wasserführung einen Lebensraum finden. Es ist bemerkenswert, dass die Weibchen der Wiesen- und Auwaldmücken (z. B. Aedes vexans) exakt den richtigen Eiablagehorizont finden, der eine erfolgreiche Weiterentwicklung gewährleistet.

 

Aedes-Eier

Eine weitere Anpassung an den extremen Lebensraum stellt das Schlüpfverhalten dar. Nach abgeschlossener Embryonalentwicklung und einer Wassertemperatur von mindestens 8 bis 10°C, schlüpfen die Larven erst, wenn das Überschwemmungswasser nicht mehr fließt, da bei fließendem Wasser die Gefahr des Verdriftens für die frisch geschlüpften Larven gegeben ist. Außerdem ist dann der Wasserkörper im Allgemeinen noch so tief, dass Fische als Fressfeinde vorhanden sein könnten. Sobald das Hochwasser jedoch zurückgeht und die Flut zum Stillstand kommt, erwärmt es sich. Die Mikroorganismen im Wasserkörper und am Gewässerboden reduzieren bei steigender Wassertemperatur schnell den Sauerstoffgehalt im Wasser, wodurch die Larven in den Eiern erkennen, dass der richtige Zeitpunkt zum Schlüpfen gekommen ist. In dieser Phase des Hochwassers ist der Wasserkörper ausreichend warm, um eine schnelle Entwicklung der Larven zum Fluginsekt zu ermöglichen.

 

Die Eier besitzen als Anpassung an den ephemeren Lebensraum der Überschwemmungsgewässer eine sehr lange Überlebensfähigkeit von über zehn Jahren. Selbst nach vielen hochwasserlosen und damit mückenfreien Jahren kann es nach Überflutungen zu einer Massenvermehrung kommen. Als weitere spezielle Anpassung an ihren Lebensraum tritt bei den Überschwemmungsmücken der "Schlupf auf Raten" auf. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Lagerungsdauer und Entwicklungsbedingungen schlüpfen nach einer Überflutung niemals alle Eier einer Brutstätte gleichzeitig. Dadurch verbleiben selbst bei einem vorzeitigen Trockenfallen der Brutstätten oder einer erfolgreichen Bekämpfung noch genügend Embryonen in den Eiern, um bei einem nachfolgenden Hochwasser noch auszuschlüpfen und so für den Erhalt der Population zu sorgen.

Da sich nach einem Hochwasser stets nur ein Teil der abgelegten Eier entwickelt, schlüpfen selbst nach einer erfolgreich durchgeführten Bekämpfung beim nächsten Hochwasser erneut Larven, ohne dass zuvor neue Eier abgelegt wurden. Nach mehreren Hochwässern, d.h. Stechmückengenerationen in einem Sommer kann sich daher die Zahl der Plage erregenden Stechmücken multiplizieren.


Stechmückenpuppen

 





































 

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